Verlust in der Frühschwangerschaft

Fehlgeburt und kleine Geburt

Begrifflichkeiten Fehlgeburt - Kleine Geburt

Leider kommt es vor, dass ein Baby in den ersten Wochen der Schwangerschaft verstirbt. Wir sprechen dann von einer Fehlgeburt. Mittlerweile setzen sich  die Begriffe „Kleine Geburt“ und „Stille Geburt“ zunehmend durh was uns sehr wichtig ist und viel mehr ausdrückt, was da tatsächlich passiert. Es ist kein "Fehler", der da verschwindet, sondern ein kleines Wesen, das schon gewachsen ist, das geboren wurde - in einer Stillen oder Kleinen Geburt. 

Das Kind war im Leben seine Eltern da und darf betrauert werden. Eltern wird man nicht - Eltern ist man auch schon in der  Schwangerschaft - es, Hoffnungen, Vorstellungen und die Liebe zum Kind sind gewachsen und das alles fehlt, wenn die Schwangerschaft glücklos endet. 

 

 

Schuld an der "Fehlgeburt"?

Es ist menschlich, dass wir nach Gründen suchen, warum diese Schwangerschaft nicht glücklich ausgegangen ist - man überlegt, ob man etwa falsches gegessen hat oder wo man sich überfordert haben könnte.  In den allermeisten Fällen ist die Entwicklung nicht auf das eigene Verhalten zurückzuführen sondern eben eine natürliche, physiologische Reaktion. Häufige Ursachen sind genetische Veränderungen, eine Eileiterschwangerschaft oder andere medizinische Indikationen. 

 

 

Wie bemerke ich eine "Fehlgeburt"?

Eine Indikation für einen drohenden Schwangerschaftsverlust können auftretende  Blutungen oder Krämpfe sein. Solltest du akut Blutungen oder Krämpfe haben, kontaktiere bitte deine Frauenärzt*in oder die Hebamme. Auch wenn eine Geburt zuhause grundsätzlich möglich ist, sollte sie von Fachpersonal begleitet werden. 

 

Es ist aber auch möglich, dass körperlich nichts zu spüren ist und erst bei der Kontroll-Untersuchung kein Herzschlag mehr zu finden ist. Das wird als Missed Abortion bezeichnet. Wie du mit dieser Diagnose umgehen kannst, haben wir dir hier aufgezeigt. 

 

Trauer nach Verlust in der Frühschwangerschaft

Ihr dürft euch als Paar, Eltern und  Familie Zeit nehmen, die Liebe und die Trauer für euer Kind da sein zu lasen. Je nach medizinischem Verlauf ist auch ein körperlicher Heilungsprozess notwendig. Sprecht darüber mit euren Frauen- oder Hausärzt*innen über die Möglichkeit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, um Seele und Körper zu entlasten. Alleine die Aussage dass eine Fehlgeburt in den ersten Monaten ein natürlicher Prozess ist, heißt nicht dass ihr sofort wieder in allen Bereichen leistungsfähig sein müsst. Nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, auch wenn von außen oft vermittelt wird, dass es ja "noch so früh war" und "so oft passiert", um zu suggerieren, dass es nicht so schlimm wäre. Aber euer Gefühl zählt. 

  

Kein Herzschlag beim Baby - "Missed abortion"

Kein Herzschlag mehr – was nun? 

(Missed Abortion oder Verhaltene Fehlgeburt) 

Wenn du die traurige Nachricht erhalten hast, dass das Herz deines Babys nicht oder nicht mehr schlägt oder dein hcg-Wert kein Fortführen der Schwangerschaft anzeigt, hast du grundsätzlich die Wahl zwischen zwei Wegen: 

Kleine Geburt 

Zum einen ist es möglich, dass du abwartest und deinen Körper selbst entscheiden lässt, wann die „kleine Geburt“ beginnen soll. Hierbei ist eine Begleitung durch deine Hebamme oder Frauenärztin wirklich sinnvoll. Es ist wichtig zu wissen, dass du erst einmal Zeit hast und dir auch Zeit nehmen kannst, wenn du das möchtest. Es kann durchaus Tage oder Wochen dauern, bis dein Körper mit einer Blutung reagiert und das Baby gehen lässt. Für manche Frauen ist es stimmig, diese kleine Geburt selbstbestimmt zu Hause zu erleben. Dieser Prozess sollte durch Hebammen oder Ärztinnen gut begleitet sein, damit du dich bei auftretenden Beschwerden wie Schmerzen oder Blutungen direkt an deine Ansprechpartnerinnen wenden kannst. In Absprache mit den Gynäkologen können auch Medikamente gegeben werden, die den Muttermund weich machen.  

Wenn du merkst, dass die Blutungen stärker werden und du dir Gedanken machst, ob beim Toilettengang der Embryo mit der Blutung in der Toilette landet, kannst du ein Sieb verwenden und ihn so möglicherweise auffangen. In den frühen Schwangerschaftswochen ist der Embryo sehr klein, ganz am Anfang kann sogar sein, dass er gar nicht sichtbar ist. Wenn es sich für dich stimmig anfühlt, kannst du das winzige Baby ansehen, auf ein schönes Tuch oder in eine kleine Schachtel betten und vielleicht selbst bestatten. Es kann aber genauso richtig sein, den Embryo einfach gehen zu lassen. Höre dabei nur auf dein Bauchgefühl. Mehr zu den Rechten (Rechtliche Lage nach FG.doc) und hilfreichen Ritualen (Trauer nach FG.doc) findest du in unserem Begleitbereich „Sternenkinder“ 

Nach einer kleinen Geburt ist eine Kontrolle beim Gynäkologen wichtig, um sicher zu sein, dass keine Reste der Schwangerschaft in der Gebärmutter geblieben sind, die sonst eine operative Ausschabung der Gebärmutter im Krankenhaus notwendig machen. 

 

Operativer Eingriff/Ausschabung 

Für manche Frauen ist es unvorstellbar, länger mit einem „toten Baby“ im Bauch zu sein und dann ist es wichtig und gut, zeitnah eine Ausschabung deiner Gebärmutter machen zu können. Die Operation findet unter einer kurzen Narkose und in aller Regel ambulant statt.  

Dann vereinbarst du auch direkt einen Termin zur Nachkontrolle bei deiner gynäkologischen Praxis oder noch mal in der Klinik, um den hcg-Wert zu überprüfen und/oder eine Ultraschalluntersuchung deiner Gebärmutter zu machen.   

 

Körperliche und psychische Auswirkungen 

Körperlich stellt sich dein Körper in der Regel sehr schnell wieder auf den Zustand vor der Schwangerschaft um. Allein die Blutung kann einige Tage bis Wochen andauern. Der Kopf und die Seele brauchen sicher etwas länger. Daher: bitte achte auf dich! Ein früher Verlust in der Schwangerschaft darf betrauert werden. Du wirst oft hören, „das passiert häufig“, aber es ändert nichts an deiner eigenen Trauer um dein Kind und um diese Schwangerschaft. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für einige Zeit kann dir Raum verschaffen, um psychisch und physisch zu Kräften zu kommen. Du musst nicht sofort wieder funktionieren. Dein Sternenkind darf betrauert werden. 

 

Wieder schwanger werden:  

Oft wird empfohlen einen normalen Zyklus abzuwarten und es dann wieder mit dem schwanger werden zu versuchen. Ob Du das so machen möchtest, ist deine ganz persönliche Entscheidung. Manche Frauen wollen sofort wieder schwanger werden und andere brauchen eine ganze Weile, bis sie sich dafür wieder bereit fühlen. Sprich darüber ganz ehrlich mit deinem Partner, damit ihr zu einer guten Entscheidung kommen könnt, die sich für euch beide richtig anfühlt. 

 

 

Wir möchten dich auch in dieser schweren Situation nicht alleine lassen und geben dir gerne Impulse und Informationen im Begleitbereich „Sternenkinder“  

 Anspruch auf Hebammenbegleitung (Rechtliche Lage nach Fehlgeburt.doc) 

Bescheinigung deines Kindes (Rechtliche Lage nach Fehlgeburt.doc) 

Bestattungsmöglichkeiten (Rechtliche Lage nach Fehlgeburt.doc) 

Trauer und Rituale (Trauer nach FG.doc)