Rechtliche Lage

nach Fehlgeburt und Stiller Geburt

Personenstandsgesetz

Das Gesetz unterscheidet die unschönen Begriffe Totgeburt und Fehlgeburt. Nur ein totgeborenes Kind über 500g bekam bis vor kurzem eine Geburtsurkunde (und Totenschein) und war als "Person" anerkannt. Seit 2013 dürfen auch still geborene Kinder unter 500g ins Stammbuch eingetragen werden und die Eltern erhalten eine "Existenzbescheinigung" vom Standesamt. 

Seit Oktober 2018 gilt nicht mehr nur die 500g- Grenze, sondern zusätzlich die 24.SSW als Abgrenzung, so dass auch Kinder, die zwar unter 500g, aber erst in der 24.SSW still geboren werden, ebenfalls als Person anerkannt sind.

Bestattungsrecht (Bayern)

Seit 2005 gibt es eine Bestattungspflicht für alle Sternenkinder. Unter einem Gewicht von 500g ist die Klinik verpflichtet für eine Bestattung zu sorgen, aber die Eltern dürfen (in Bayern) die Möglichkeit die Bestattung übernehmen. 

In München haben alle Kliniken eine Sternenkindergrabstätte und bieten auch ein bis zweimal pro Jahr Gedenkfeiern an, zu denen alle Anghörigen eingeladen sind. 

Die Stadt München bietet im Waldfriedhof eine Grabstelle für Sternenkinder, wo Eltern selbst eine Bestattung organisieren können. 

 



Mutterschutz

Auch der Mutterschutz richtet sich nach dem Geburtsgewicht von still geborenen Kindern. Weder eine frühe noch eine späte Fehlgeburt gelten rechtlich als Entbindung, auch wenn es ab der etwa 14. SSW für die Frau tatsächlich eine Entbindung ist. Erst ab einem Geburtsgewicht von 500g oder ab der 24.SSW (Neuerung seit 10/2018) hat die Frau Anspruch auf Mutterschutz, der bei ausdrücklichem Verlangen der Frau auch verkürzt werden kann. 

Seit 2018 besteht für Frauen nach einer Fehlgeburt nach der 12.SSW immerhin ein 4monatiger Kündigungsschutz, was die Trauer und Situation dieser Frauen berücksichtigt. 

Nachsorge durch Hebammen

Was oft vergessen wird: jede gesetzlich versicherte Frau hat nach Fehlgeburt oder stiller Geburt unabhängig von der Schwangerschaftswoche einen Anspruch auf eine Nachsorge-Hebamme. Darauf wird leider auch in den Kliniken zu selten hingewiesen. 

Die Hebamme kann bis 8 Wochen nach der Geburt mit der Krankenkasse abrechnen, für weitere Termine wäre dann ein Rezept der/s behandelnden Gynäkologen/in vorliegen. Als privat Versicherte sollte man bei der Krankenversicherung nachfragen, welch Leistungen der Nachsorgehebamme übernommen werden.